• 01/01/2023

    Ein einfaches ,Weiter so‘ darf es bei der Bewältigung des Arbeitskräftemangels nicht geben

    Friedrich P. Kötter warnt vor dramatischem Fachkräftemangel trotz Rekord-Beschäftigung. Der Facility-Service-Unternehmer zeigt, warum 1,82 Millionen offene Stellen eine rote Alarmstufe bedeuten und wie sein Unternehmen mit 250 Azubis jährlich gegensteuert. Lesen Sie seine Lösungsansätze für den Arbeitsmarkt.

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  • Demografischer Wandel/Verrentungen: Der demografische Wandel hinterlässt schon heute seine Spuren und wird die Situation weiter verschärfen. So sagen Experten den Verlust von sieben Millionen Arbeitskräften bis zum Jahr 2035 voraus. Politische Entscheidungen wie die abschlagsfreie Rente mit 63 erweisen sich als Katalysator. Letztere wurde Mitte 2022 von insgesamt rund zwei Millionen Menschen genutzt – ca. 400.000 mehr als bei der Einführung prognostiziert.
  • Arbeitszeit: Deutschland liegt bei der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit im Vergleich zu anderen EU-Staaten bzw. hieran angrenzenden Ländern im hinteren Mittelfeld. Der Trend zu weiteren Arbeitszeitverkürzungen oder gar zur 4-Tage-Woche stellt somit ein Risiko dar. Gleiches gilt für das nach wie vor unzureichende Ganztagsbetreuungsangebot für Kinder, das Teilzeitarbeit forciert und aus dem somit viel brachliegendes Fachkräftepotenzial resultiert.
  • Arbeitskräftepotenzial: Ende 2022 galten rund 2,45 Millionen Menschen offiziell als arbeitslos, womit primär Bezieher von Arbeitslosengeld I bzw. II (jetzt Bürgergeld, vormals Hartz IV) erfasst sind. Schon dies ist ein riesiges Potenzial, das von den Arbeitsagenturen bzw. Jobcentern mit Blick auf die weitgehend stagnierenden Werte trotz höchsten Arbeitskräftebedarfs offensichtlich eher verwaltet als aktiv vermittelt wird. Hinzu kommt: Diese Zahl der Bundesagentur für Arbeit (BA) spiegelt nicht die gesamte Reserve wider. So veröffentlicht die BA mit der „Arbeitslosigkeit im weiteren Sinne“ eine Zusatzstatistik, die u. a. alle in Weiterbildungs- und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen befindlichen bzw. altersbedingt nicht erfassten Personen einbezieht. Diese Zahl lag 2022 um ca. 320.000 über der o. a. Arbeitslosenzahl. Heißt in der Summe: Inklusive Weiterbildungsmaßnahmen etc. steigt das Arbeitskräftepotenzial somit auf fast 2,8 Millionen Menschen an.
  • Arbeitsmarktvermittlung: Während die Bundesagentur für Arbeit ca. 781.000 offene Stellen meldet, spricht das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) von besagten 1,82 Millionen. Die Differenz könnte – neben anderen Faktoren – mögliches Zeichen für einen Vertrauensverlust der Wirtschaft in die Arbeitsagentur sein. Denn sie und die Jobcenter vermitteln häufig nicht schnell und individuell genug. Dies verdeutlichen z. B. auch höhere Erfolgsquoten gemeinnütziger Initiativen (vgl. auch im Folgenden).
  • Ausländische Arbeitskräfte: Die Verstärkung durch Zuwanderung fällt viel zu gering aus. 400.000 Arbeitskräfte müssten gemäß IAB jährlich netto einwandern und – ganz entscheidend – anschließend erfolgreich in den deutschen Arbeitsmarkt eingegliedert werden. Damit diese Integration gelingt, steht wiederum die nachhaltige finanzielle Förderung von Sprachkursen u. Ä. im Fokus.